Programm

Programm

Die sieben BerufsmusikerInnen des Lucerne Brass Ensemble lancieren ein komplett neukomponiertes Konzertprogramm, um die originale Brass-Septett Literatur im In- und Ausland nachhaltig zu fördern und das Repertoire zu erweitern.

Für die Konzertreihe mit dem Namen „new horizons“, welche im Februar 2019 ihre Premiere feiern wird, sind für fünf bekannte und erfolgreiche Schweizer Komponisten Aufträge vergeben worden. Die Werke, komponiert von Oliver Waespi (CH), Ludovic Neurohr (CH), Sándor Török (CH/ROU) und Jean-François Michel (CH), sowie eine Adaption der „Berlin in the 20ties“-Suite von Daniel Schnyder (CH/USA) werden für das Lucerne Brass Ensemble ins Leben gerufen.


Oliver Waespi (*1971) | Blue Starters

A Trilogy of Fanfares

  1. Blue Starter
  2. Anthem and Cadenza
  3. Toccata off the beat

“Blue Starters” ist eine Trilogie, bestehend aus drei Eröffnungsstücken, die alle auf verschiedene Weise einen Bezug zu Blues haben. Zusätzlich bezieht sich der Titel auf energiereiche Blitze in der Stratosphäre, womit auf die Explosivität gewisser Motive angespielt wird.

Im ersten Stück, „Blue Starter“, ist der Bezug zu Blues an deutlichsten spürbar, da der Grundrhythmus auf einem typischen 6/8-Takt basiert. Allerdings verschieben sich die Taktschwerpunkte laufend, wodurch sich vielfältige Groove-Varianten bilden.

Das zweite Stück, „Anthem and Cadenzas“, hat zunächst einen feierlichen Charakter, der in der Folge durch eine bluesbezogene Harmonik sowie die arabeskenhaften Solokadenzen zunehmend relativiert wird. Nach einem choralartigen Aufbau kehrt der Charakter des Beginns indes wieder zurück, und das Stück endet in einem breiten Klangfeld.

Im dritten Stück, „Toccata off the beat“, steht eine vorwärts gerichtete Virtuosität im Vordergrund. Dabei führen zahlreiche synkopische Motive zu einer energiereichen Rhythmik, die in Toccatas und Fanfaren eher unüblich ist. Eine rasante Stretta bringt den Satz und die Trilogie schliesslich zu Ende.

„Blue Starters“ entstand im Jahr 2019 im Auftrag des Lucerne Brass Ensembles.


Jean-François Michel (*1957) | Brass Septet

  1. Allegro
  2. Largo
  3. Allegro

Ludovic Neurohr (*1983) | Ex-Nihilo

Ex-Nihilo ist eine lateinische Phrase, welche «aus dem Nichts» bedeutet. Diese erscheint oft in Verbindung mit dem Konzeüt der Schöpfung, wie zum Beispiel «creatio ex nihilo», was soviel bedeutet wie «Schöpfung aus dem Nichts». Die Frage «Wo beginnt die Komposition der Musik?» stellte sich auch Ludovic Neurohr bei seiner Neukomposition und versucht diese zu erklären:

In der Kunst, den Wissenschaften, der Mathematik, der Literatur, der Architektur, Design oder sonstwo scheint es unmöglich, eine Schöpfung «aus dem Nichts» zu beginnen. Denn eine Schöpfung beginnt mit unseren Ideen, Vorlieben, Kenntnissen oder Materialien, mit welchen wir etwas entstehen lassen. Somit ist es leider wahr, dass die Schöpfung ein Prozess der Transormation darstellt und nicht der Komposition. Somit wählt der Komponist bestehendes Material wie Harmonien, Kontrapunkt und Instrumentenwissen und mischt es zusammen, mit dem Versuch, neue Sounds mit vorhandenen Elementen zu finden.

Diesen Prozess der Schöpfung beschreibt Neurohr in seinem Werk und widerspiegelt es in farbenprächtigem Blechsound. Erleben Sie, wie ein Werk «aus dem Nichts» entsteht.


Sándor Török (*1982) | Waltz on Mars

Ein imaginärer Walzer der ersten Astronauten nach ihrer Landung auf dem Mars. Das Stück beginnt im Weltall, als der Planet am Horizont erscheint. Nach der Annäherung und Landung entwickelt sich das Thema langsam zu einem imaginären, leicht komischen Walzer der Astronauten in der ungewohnten Schwerkraft des Mars, welche durch die «falschen» Taktarten zu spüren sind.


Daniel Schnyder (*1961) | Berlin – Paris

Suite for Brass Septet

Ursprünglich als Orchestersuite komponiert, erfand Daniel Schnyder die Komposition Berlin in the 20ties für das Lucerne Brass Ensemble neu. Die Idee hinter dieser Suite ist es, etwas vom ästhetischen Umbruch in Europa und Amerika in den 1920iger Jahren musikalisch einzufangen und die zwei Pole, die damals neue Zwölftonmusik und experimentelle, klangorientierte Musik von Arnold Schönberg und Edgar Varèse, mit der neuen Musik aus den USA und den Ideen von Darius Milhaud und Kurt Weill in Juxtaposition in unserer Zeit zu spiegeln und so den ästhetischen Konflikt, der das vergangene und jetzige Jahrhundert so geprägt hat, etwas plakativ, witzig und programmatisch darzustellen. 

Es hat kaum Zitate in dieser Musik, aber klar werden viele Sachen an Edgar Varèse, Kurt Weill, George Gershwin oder eben 12-Ton Musik erinnern. Das Werk ist eine ART Parkour Musical der dritten Art, wo das grosse Schisma in der Neuen Musik anders beleuchtet und live erlebt wird. Die Komposition gehört in das musikalisches Spiegelkabinett Schnyders, wie unter anderem auch das Programm «Haendel in Harlem» und «Faust», ein Musikdrama anhand der deutschen Musikgeschichte.